Reisen
Kambodscha
Spiridon Bericht
"Lächelnde Tempel" - Angkor Wat HalbmarathonLaufmagazin "Spiridon" Ausgabe 2/08Verfasser: Claus Ehlers - Inhaber marathon-ehlers.de 12.
Angkor Wat – Halbmarathon / Siam Reap / Kambodscha, 02.12. 2007
„Lächelnde Tempel“ oder - Tempelanlagen“ Jetzt sollte er also
Wirklichkeit werden, mein jahrelanger Traum vom Lauf durch die größte
Tempelanlage der Erde - der Halbmarathon von Angkor Wat in Kambodscha.
Kambodscha- wenn man den Namen dieses Landes hört, fallen einem
sogleich die Roten Khmer und der Name Pol Pot ein und die damit
verbundenen Grausam- keiten. Weniger bekannt sind bisher die
wunderschönen Tempelanlagen in der Nähe der Stadt Siam Reap, ungefähr
260 KM östlich der Grenze Thailands gelegen.
Die Tempel gelten als die ältesten und größten zusammenhängenden Tempelan- lagen eines Khmer-Reiches aus dem 8. bis 12. Jahrhundert, die sich über ein Areal von ca. 250 qkm erstrecken und Weltkulturerbe der UNESCO sind. Selbstverständlich berührt der Lauf nur einen kleinen Teil des Komplexes, dafür aber die wirklich bekanntesten und schönsten Tempel, basierend auf dem Hinduismus und Buddhismus. Reisen die meisten Touristen heute mit dem Flugzeug über Bangkok oder Pnom Penh nach Siam Reap, so wollte ich es von Bangkok kommend auf dem Landweg versuchen, wohlwissend welche schlechten Straßenverhältnisse mich in Kambodscha erwarteten. Von Bangkok bis zur thailändisch-kambodschanischen Grenze bei Aranyaprathet u. Poipet waren es 5 ½ Stunden komfortabler Busreise, im Grenzort angekommen, änderte sich die Situation dann etwas. Umsteigen auf ein dreirädiges Tuk Tuk war angesagt, das mich dann bis zur Grenze bringen sollte. Da ich noch kein Visum hatte, wurde ein Umweg über ein kleines kambodschanisches Konsulat notwendig, das ich eher als Zollhäuschen bezeichnet hätte, immerhin gab es dort für 25 US-$ schnell und unbürokratisch das ersehnte Visum und der Einreise stand nichts mehr im Wege. Der letzte Rest des Weges über die Grenze wurde gemeinsam mit vielen Karren u. Rikschas, die von Kambodschanern gezogen wurden, die den Warenverkehr sicherstellten, zu Fuß zurückgelegt. Nun lag die berüchtigte Wegstrecke nach Siam Reap vor mir, 260 KM übelster Pistenstrecke, wenn man den Beschreibungen der Reiseliteratur und manchen Schilderungen von „Travellern“ im Internet Glauben schenken sollte. Ich hatte Glück, konnte durch hilfreiche Kambodschaner ein Taxi erwischen, buchte mich quasi in letzter Minute bei zwei New Yorker Travellern mit ein, die erstaunt waren, das noch jemand hinzusprang und so fuhren wir zu Dritt u. unserem Fahrer ca. 3 ½ Stunden über diese Strecke. Ich überstand diese Pistenfahrt besser erwartet, dies war unserem Fahrer zu verdanken, der es meisterhaft verstand, den allergröbsten Schlaglöchern auszuweichen als auch dem Umstand, daß wir in einem Taxi (mit weichen Stoßdämpfern) fuhren. Angesichts der etwas älteren Touristenbusse, die nicht so wendig waren und in denen die Insassen ganz kräftig durchgeschüttelt wurden, waren wir mit unserem Schicksal sehr zufrieden. Die unbefestigte Piste war manchmal so sehr in roten Staub eingehüllt, daß wir annahmen, wir fahren im Nebel, unser Fahrer musste einen siebten Sinn haben, wie er sowohl plötzlich auftauchenden LKW als auch tiefsten Schlaglöchern ausweichen konnte. Bei manchen Begegnungen sträubten sich mir die Nackenhaare ! Nach 3 ½ Stunden gelangten wir müde aber wohlbehalten in Siam Reap an. Unser Fahrer machte sich übrigens sogleich auf den Rückweg zur Grenze, nicht ohne die Strecke und die täglich damit für ihn verbundenen Strapazen zu beklagen, ein Trinkgeld half ihm über das Gröbste hinweg. Das erste Abenteuer war überstanden! Am nächsten Morgen holte ich die Startunterlagen in einem Hotel ab und traf dabei auf die Organisatoren des Laufs, Mr. Sem Phalla und Mr. Taka, welcher diesen Lauf mit der japanischen Hilfsgemeinschaft „Hearts Of Gold“ durch logistisches und technisch-personelles Engagement unterstützt. Der Erlös des Laufs kommt direkt den Opfern von Landminen zugute, von denen es in Kambodscha sehr viele gibt. Aufgrund dieser Unterstützung war der Lauf mit elektronischer Zeitmessung und Verpflegungsstellen auf der Strecke und im Ziel sehr gut organisiert. Gestartet wurde der Halbmarathon um 6.30 am Morgen, die Temperatur und vor allen Dingen die Luftfeuchtigkeit waren perfekt, bei 24 Grad und einer sehr geringen Luftfeuchtigkeit fanden sich 720 Läufer u. Läuferinnen auf der Halbmarathonstrecke ein, dazu kamen noch ca. 750 Läufer auf der 10 km-Distanz sowie ca. 620 Starter auf der 5 KM und 3 Km-Strecke. Eine Kategorie für bein-behinderte/amputierte Läufer über 10 KM muß besondere Erwähnung finden, anerkennenswert und in höchstem Maße nachdenklich machend, absolvierten diese Teilnehmer den Lauf! Am Start vor dem größten Tempel „Angkor Wat“ kam ein wahrhaft internationales Läuferfeld zusammen, in der Mehrzahl Japaner, Amerikaner u. Kanadier, dazu aber auch Europäer, unter ihnen acht Deutsche; 925 internationale Läufer . Insgesamt nahmen 1235 Kamboschaner am Lauf teil. Der hohe Anteil kamboschanischer Läufer zeigt, wie anerkannt und beliebt dieser Lauf inzwischen bei der heimischen Bevölkerung geworden ist, was wahrlich nicht jede Laufveranstaltung in Asien von sich behaupten kann. Auf für 2 ½ Stunden für den Autoverkehr völlig gesperrten asphaltierten Parkwegen ging es nun durch die weitläufige Anlage, wohltuend von riesigen Urwaldbäumen beschattet, die manchmal wohl eine Höhe von über 25 m erreichten. Viele, viele Kinder säumten die Strecke, feuerten die Läufer an und wollten abgeklatscht werden, weiter ging es um riesige antike Bewässerungs-becken herum, bis weitere Tempel auftauchten, die von den Läufern passiert wurden, ein unbeschreiblicher Anblick, ein tolles Gefühl! Vorbei am wohl bekanntesten Tempel, dem Dschungeltempel „Angkor Prohm“, der Kulisse für den Film „Tomb Raider“ mit Lara Croft alias Angelina Jolie war. Dieser Tempel wird allmählich vom Dschungel zurück erobert und dicke Baumwurzeln, die sich durch den gesamten Tempel winden, geben ihm ein wahrhaft exotisches Gepräge. Bei Km 16 kamen die Läufer in die Tempelstadt „Angkor Thom“, durchliefen die hohen Eingangstore mit den lächelnden Gesichtern des Gottes Lokesvara und an den berühmten Reliefs des Leprakönigs und der Elefantenterasse vorbei, die sich über ca. 300 m hinstreckt und einen weiteren Höhepunkt der Baukunst der Khmer-Kultur darstellt, bis endlich der mit über 200 lächelnden Gesichtern auf zahlreichen Türmen versehene „Bayon-Tempel“ in Sicht kommt und umrundet wird. Es ist wie an einem sehr schönen Sommertag unserer Regionen, ein wahrer Genusslauf bei jetzt 28 Grad. Nocheinmal durch die hohen Eingangstore gelaufen und dann kommt auch das Ziel am „Angkor Wat“ –Tempel in Sicht und ein wunderschöner, unvergesslicher Lauf liegt hinter mir, ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Im Ziel wartet die Verpflegung mit Getränken, Bananen u. die Urkunde auf mich, bevor die Sieger vom Gouvaneur der Provinz Siam Reap und Apsara-Tänzerinnen mit Medaillen und Pokalen geehrt werden. In einem Gespräch nach dem Lauf äußerten auch die Organisatoren den Wunsch, einen Marathon über die volle Distanz durchführen zu können, aber leider können sich die Politiker noch nicht dazu entschließen, die Wege der Tempelanlage für fünf Stunden zu sperren, stellen doch die Eintrittsgelder für die Anlage einen großen Wirtschaftsfaktor dar. Die Tempelanlagen von Angkor Wat sind in dem liebenswerten Land derzeit die einzigen Sehenswürdigkeiten von internationalem Rang, vieles wartet noch auf die Entdeckung und die Touristen kommen häufig nur für jeweils wenige Tage nach Siam Reap, eine lange Sperrung ist somit nicht durchführbar. Sollten jedoch die Teilnehmerzahlen auf der Halbmarathondistanz weiter ansteigen, kann eventuell ein Umdenken einsetzen, dann bin ich bestimmt wieder dabei ! Doch bereits jetzt ist dieser Lauf mit den damit verbundenen einmaligen kulturellen Sehenswürdigkeiten die Reise wert, zumal die Kambodschaner unvergleichlich gastfreundlich sind und durch einen Besuch Unterstützung erfahren sollten. Als Anschluß bieten sich ein Besuch in der am Mekong gelegenen Hauptstadt Pnom Penh, ein Strandaufenthalt in Sihanoukville oder die Weiterreise nach Vietnam an. Claus Ehlers Plazierungen: HM Männer 1. Tony Seakins, GB, 1:18:58 2. Bantheon Mok, Camb. , 1:22:06 3. Patrick Lorentz, FR, 1:23:33 . . . Claus Ehlers, Stolpertruppe Winsen/Luhe, 2:10:09 bester Deutscher: Thomas Siegmund, 1:24:04 Frauen 1. Mika Kume, Jap., 1.24:26 2. Leng Leng Koh, Sing., 1:35:20 3. Mami Hirota, Jap., 1:35:39 beste Deutsche: Victoria Rowe, 1:44:36 |